Studie: Internet-Nutzung und die Drosselkom

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In den letzten Wochen und Monaten gab es viel Aufregung in den Medien über die Drosselkom-Pläne. Welche Auswirkungen die Datendrosselung auf den eigentlichen Endkunden – dem Surfer – hat, lässt sich nicht wirklich genau sagen. Überraschend sind daher die Ergebnisse der letzten Umfrage „Internet-Nutzung“ der Spectos GmbH.

Selbsteinschätzung der Internet-Nutzer

Wie schätzen Internet-Nutzer sich selbst und ihr Surf-Verhalten ein? Die untenstehende Infografik lässt erkennen, dass die meisten (49%) sich als „Normal-Nutzer“ sehen. Nur 18 Prozent halten sich für Viel-Nutzer. Egal ob Wenig-, Normal- oder Vielnutzer, jeder Zweite (55%) scheint mindestens einmal pro Woche Videos im Internet anzuschauen, jeder Dritte (33%) Musik zu hören und fast jeder Vierte (24%) Fotos hochzuladen. Diese Dienste beanspruchen in der Regel den meisten Datenaustausch beim Surfen.

Trotz dieser Selbsteinschätzung der Internetnutzer wissen die meisten (65%) von ihnen nicht, wie viel Datenvolumen sie letztendlich pro Monat verbrauchen.  Nur ein Viertel der Befragten gab an, mehr als 70 Gigabyte für ihre Internetaktivitäten in Anspruch zu nehmen.

Datendrosselung nein, aber auf uneingeschränktes Surfvolumen verzichten?

Aus der Umfrage geht hervor, dass die Mehrheit (65%) der Internet-Nutzer eine stabile Internetverbindung für wichtig hält. Ein günstiger Preis spielt eher eine untergeordnete Rolle. Der eigentliche Clou: Bei einer Drosselung des Surfvolumens würden 82 Prozent der Befragten einen sofortigen Provider-Wechsel in Erwägung ziehen. Gleichzeitig könnte aber jeder Dritte (36%) auf ein uneingeschränktes Surfvolumen verzichten. Wo dieser widersprüchliche Befund herkommt ist derweil unklar.

Bei einer Drosselung des Surfvolumens durch den Internetanbieter erwägen fast 82 % den Provider sofort zu wechseln.

drosselkom-anbieter-wechsel

Netzneutralität steht auf der Kippe

Datendrosselung hin oder her. Das zukünftig eingeschränkte Surfvolumen wird sich sicher bei einigen Internet-Nutzern bemerkbar machen, wenn sich die Internetseiten auf einmal in gefühlter Modem-Geschwindigkeit aufbauen und Videos auf YouTube Ewigkeiten laden. Dann heißt es draufzahlen. Vor allem Wohngemeinschaften mit mehreren Personen werden davon betroffen sein.

Neben den Internet-Nutzern wird es auch bzw. vielmehr noch die „Inhalteanbieter“ (z.B. neutrale Newsportale) treffen. Ein Szenario könnte sein, dass die Deutsche Telekom den Inhalteanbietern im DSL-Netz Vorrang lässt, die das nötige Kleingeld dafür springen lassen. Kleine, finanziell schwächere Anbieter könnten damit an Relevanz verlieren, weil Internetnutzer lange Ladezeiten ablehnen und einfach zur schnelleren Konkurrenz  surfen.  Damit würde es zur Wettbewerbsverzerrung im Internet kommen. Kleine Content-Anbieter müssten dann mit „schlechteren“ Bedingungen kämpfen. Tritt dieser Fall ein, wäre das Internet alles andere als neutral!

„Wenn die Telekom Inhalteanbietern erlauben will, sich von einer Datendrosselung freizukaufen, hat dies möglicherweise Folgen für den Wettbewerb“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der F.A.Z.. Die Telekom verfüge auf dem Breitbandmarkt über eine starke Marktposition. „So könnten erhebliche Marktzutrittsschranken entstehen, wenn kleine Anbieter nicht in der Lage sein sollten, sich eine prioritäre Behandlung zu erkaufen.“ [Quelle: FAZ.net]

Wir dürfen also gespannt sein, wie das Bundeskartellamt mit den Drosselkom-Plänen umgehen wird. Ich persönlich hoffe doch, dass sie die Stellung der Internet-Nutzer vertreten und im Sinne der Netzneutralität handeln. Es wäre ein großer Einschnitt in unsere „Surf-Freiheit“, wenn auf einmal ausgewählte Inhalte schnell laden und andere gute Inhalte in der gedrosselten DSL-Leitung stecken bleiben und gar nicht mehr beim Internet-Nutzer ankommen.

Umfrage-Ergebnisse der Studie Internet-Nutzung 2013

Infografik - Umfrage Internet-Nutzung 2013

>> Download: Infografik “Internet-Nutzung 2013” als PDF (172 KByte)

 

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